Ihr Standort:
[ Home ] [ Archiv ] [ Archivdetails ] [ Erstellt eine druckoptimierte Seite ]

100 Jahre Vitamine

01.05.2012

Vor 100 Jahren hat der polnische Biochemiker Casimir Funk, der 1904 in Bern seinen Doktortitel erworben hatte, den Begriff "Vitamin" geprägt. Angeregt durch Arbeiten anderer Forscher konnte er Thiamin in verschiedenen Lebensmitteln nachweisen und schloss daraus, dass es sich bei all diesen lebenswichtigen Substanzen um Amine handelt. Dies verbunden mit dem Wort für Leben "vita" führte zur Namensgebung "Vitamine".

Ein paar Jahre zuvor und in den folgenden Jahren wurden 12 weitere Faktoren in der Nahrung identifiziert und synthetisch hergestellt, die für das Leben unentbehrlich waren; dabei haben auch Chemiker an Schweizer Hochschulen wie Paul Karrer, Richard Kuhn, Tadeus Reichstein u.a. wesentliche Beiträge geleistet. Die Entdeckung hätte aber schon früher erfolgen können, denn schon 1881 fand N. Lunin im Labor von Gustav von Bunge in Basel, dass die Milch lebensnotwendige Mikronährstoffe enthalten muss, doch wurde dieser Entdeckung keine weitere Beachtung geschenkt. Die 13 Substanzen haben ausser ihrer Essentialität nichts gemeinsam, weder Struktur noch Wirkungsweise. Auch die Vermutung, dass es sich um Amine handle, war falsch. Trotzdem wurde der Begriff ‚Vitamin‘ beibehalten, lediglich das ‚e‘ liess man weg. Die wissenschaftlichen Arbeiten über Vitamine wurden 4-mal mit dem Medizin- und 5-mal mit dem Chemienobelpreis ausgezeichnet, zuletzt 1964 für die Strukturaufklärung des Vitamin B12.

Als erste Behörde erkannte die amerikanische Armee die Bedeutung der Vitamine für die Gesundheit und erarbeitete zusammen mit dem Amerikanischen Food and Nutrition Board 1943 Empfehlungen für deren Einnahme aus. Stand zu Beginn die Behebung von Mangelkrankheiten im Vordergrund, waren es bei der 11. Aktualisierung um die Jahrtausendwende in den USA gesundheitliche Aspekte, welche für die Bedarfsabklärung herangezogen wurden. In der Schweiz hat die SGE zusammen mit der DGE und ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr herausgegeben, welche im Moment revidiert werden. In den meisten Ländern wurden Erhebungen durchgeführt, um die Versorgung der Bevölkerung zu prüfen. 2009 wurde der erste Europäische Ernährungs- und Gesundheitsbericht veröffentlich, in dem über die Vitamin- und Nährstoffversorgung von 23 Ländern berichtet wurde. Die meisten Balkanstaaten, die Republiken der ehemaligen Sowjetunion, Kleinststaaten und leider auch die Schweiz fehlten in dieser Zusammenstellung. Die nächsten Jahre werden uns sicher noch spannende Ergebnisse der in der ganzen Welt aktiven Vitaminforschung bescheren!

Dr. Ulrich Moser

© Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE, www.sge-ssn.ch

Zurück zur Archiv-Übersicht

Ihr Standort:
[ Home ] [ Archiv ] [ Archivdetails ] [ Erstellt eine druckoptimierte Seite ] [ nach oben ]

Das Appenzeller Gesundheitsportal - Gesundheits-Nachrichten aus dem Appenzellerland