Ihr Standort:
[ Home ] [ Archiv ] [ Archivdetails ] [ Erstellt eine druckoptimierte Seite ]

Fasnachtsspezialitäten

22.02.2011

Sind die Festessen der Weihnachtstage erst vorbei, da lachen uns bereits aus allen Bäckereien die «gluschtigen» Fasnachtsspezialitäten entgegen. Doch was genau verbirgt sich hinter den deftigen Leckereien wie Fasnachtsküechli, Schenkeli und Co.?

Die Fasnacht
Der Ursprung der Fasnacht, liegt in der 40-tägigen Fastenzeit, welche im Gedenken an die Leiden Christi vor Ostern durchgeführt wird. Diese beginnt seit jeher am Mittwoch vor Sonntag «Invokavit», dem sechsten Sonntag vor Ostern. Besser bekannt ist dieser Tag unter dem Namen «Aschermittwoch».

Die «Fastnacht», die ursprünglich jenen Dienstag vor Fastenbeginn am Aschermittwoch bezeichnete, erscheint als «vasnaht» bereits um 1200 in Wolfram von Eschenbachs Werk Parzival. Im 14. Jahrhundert ist sie auch als «vasnacht» nachweisbar. In Verbindung mit der bevorstehenden Fastenzeit entwickelten sich im hohen und ausgehenden Mittelalter Bräuche und Festlichkeiten, die sich über mehrere Tage vor Fastenbeginn hinzogen und mit dem Aschermittwoch endeten. Diese erlaubten es, vor der strengen Fastenzeit nochmals ausgiebig allen möglichen Sinnesfreuden zu frönen, ausgelassen und masslos zu sein und mit Hilfe von Masken und Verkleidungen eine andere Identität anzunehmen. Zusätzlich dienten die Fratzen als Symbol zur Vertreibung des kalten, unfruchtbaren Winters. Die «Fastnacht» war zudem die letzte Möglichkeit, vor der österlichen Fastenzeit nochmals Fleisch zu essen, worin auch der «Schmutzige Donnerstag» seine Bedeutung erlangte.

Der schmutzige Donnerstag
In den katholischen Gegenden der Schweiz sowie in Deutschland beginnt die richtige Fasnachtszeit mit dem «Schmutzigen Donnerstag», welcher auf den Donnerstag vor dem Aschermittwoch fällt. Da in der Fastenzeit ursprünglich viele Speisen wie z.B. Fleisch, Eier, Milch- und Milchprodukte verboten waren, wären diese Produkte in der Vorratskammer der mittelalterlichen Hausfrau nutzlos verdorben. Aus diesem Grund musste vor der Fastenzeit noch einiges an Lebensmitteln aufgebraucht werden. Der fette oder schmutzige Donnerstag bezeichnet folglich den Tag, an welchem einst das häusliche Backen begann. Zudem galt er als letztmöglicher Schlachttag vor der Fastenzeit. Traditionell wurde an diesem Tag das üppige Essen begonnen, welches sich bis zum Aschermittwoch hinzog und Reserven für das 40-tägige Fasten geben sollte. An diesem Tag wurden auch die noch heute beliebten, in Fett ausgebackenen, Spezialitäten hergestellt. Das Schweinefett als Nebenprodukt des Schlachtens konnte in der Küche gleich für die Leckereien eingesetzt werden. Diese Spezialitäten gaben auch dem schmutzigen Donnerstag seinen Namen, denn mit «Schmutziger» ist nicht etwa Schmutz sondern das alemannische Wort «Schmotz» gemeint, was Fett/Schmalz bedeutet.

Dass die Fasnachtsleckereien allesamt in Fett ausgebacken wurden, ist auf sehr praktische Gründe zurückzuführen. Bis ins 20. Jahrhundert war ein Backofen im Privathaushalt keine Selbstverständlichkeit. Fettgebackenes war in dieser Zeit folglich die Backmethode par excellence, da es als «Herdgebäck» keinen Backofen für die Zubereitung erforderte. Man benötigte ausschliesslich eine grosse, weite Pfanne. Auf offenem Feuer und mit einer ordentlichen Menge an Fett, in welchem das Gebäck mehrmals gewendet und übergossen wurde, stellte jeder Haushalt seine eigenen Fasnachtsköstlichkeiten her.

Fasnachtsleckereien heute
Obwohl heute kaum noch jemand Reserven für die Fastenzeit bilden muss und Backöfen in jedem Privathaushalt existieren, ist eine Fasnacht ohne das – wie in alten Zeiten – in Fett ausgebackene Fasnachtsgebäck ziemlich unvorstellbar.

Fasnachtsküechli sind zur Fasnachtszeit in der ganzen Schweiz, aber auch in Deutschland und Österreich sehr beliebt. Mit jeweils etwas anderem Namen wie z.B. Schlüferli, Hasenöhrli, Chneuplätz, Eieröhrli, Tabakrollen, Beignets etc. findet man in jedem Kanton seine eigenen Varianten wieder, die teils rhombenförmig, dann länglich oder gekrümmt sind.

Andere Spezialitäten sind wiederum sehr typisch und bekannt für einen Kanton. Beispiele dafür sind die mit Birnenmus gefüllten Schwyzer Krapfen oder die Bacheschnitte – eine Appenzeller Fasnachtsspezialität mit Milch Zimt und Bier. Eine grosse Variation an Fasnachtsleckereien bietet der Kanton Basel-Stadt. Ein Beispiel dafür ist die Basler Fastenwähe, ein bretzelähnliches Gebäck aus feinem Hefeteig, das mit Kümmel bestreut wird. Auch die Basler Mehlsuppe oder die Käse- und Zwiebelwähen sind beliebte Fasnachtsspezialitäten die besonders am Morgenstraich gerne gegessen werden.

Autor: Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE

Zurück zur Archiv-Übersicht

Ihr Standort:
[ Home ] [ Archiv ] [ Archivdetails ] [ Erstellt eine druckoptimierte Seite ] [ nach oben ]

Das Appenzeller Gesundheitsportal - Gesundheits-Nachrichten aus dem Appenzellerland