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Genderaspekte und geschlechtsstereotype Muster in der Schulverpflegung

21.12.2010

Dass Frauen anders sind als Männer ist bereits seit Adam und Eva bekannt. Dass sie sich anders verhalten als Männer ebenfalls. Doch zählt da auch das Essverhalten dazu? Auf jeden Fall!

Das unterschiedliche Essverhalten von Frauen und Männern war bis vor Kurzem nicht Gegenstand ernährungswissenschaftlicher Forschung. Es wurde angenommen, dass Männer biologisch vorgegeben andere Nahrungsmittel bevorzugen als Frauen. Relativ neu ist die Erkenntnis, dass der persönliche Ernährungsstil auch mit der Darstellung und dem Ausleben des Genders zu tun hat. Speisen, Geschmacksrichtungen, Zubereitungsarten, Verzehrssituationen sowie persönliche Einstellungen und emotionale Haltungen zum Essen werden im Einklang mit kulturellen Leitbildern von Männlichkeit und Weiblichkeit geschlechtsspezifisch codiert.

So existieren in unserer Gesellschaft genaue Vorstellungen zu typisch männlichen und typisch weiblichen Essverhalten. Zurückhaltung beim Essen, leichte Speisen wie Früchte, Gemüse und Salate werden als eher „weiblich“ definiert. Hingegen gelten als typisch männliche Verhaltensweisen das Vertilgen oder das schnelle Essen von grossen Mengen, sowie das kräftige Beissen in eine Schweinshaxe oder in einen Burger. Hinzu kommt, dass der menschliche Körper durch eine bewusste Auswahl an Lebensmitteln und der optimalen Zusammensetzung der Ernährung genderspezifisch „geformt“ werden kann. Dies geschieht ganz nach dem Motto, Schlanke Taille für die Dame, Muskeln für den Herrn. Ernährung und Ernährungsverhalten vermögen folglich - gleich wie Kleidung oder Hobbys - als „Geschlechtsverstärker“ dienen.

Genderaspekte in der Schulverpflegung Mädchen und Jungen nützen ab der Pubertät verstärkt die ihnen zugeschriebenen Ernährungsstile um ihre Weiblichkeit beziehungsweise Männlichkeit darzustellen. Folglich spielt der Faktor „Gender“ auch bei der Schulverpflegung eine wesentliche Rolle.

In mittleren und höheren Schulen verbringen Schülerinnen und Schüler einen Grossteil ihrer Zeit. Die Schule stellt somit für viele Mädchen und Jungen den täglichen Hauptverpflegungsort dar. So prägt das Verpflegungsangebot an Schulen schon in jungen Jahren das spätere Essverhalten und kann sich bei optimaler Ausführung positiv auf das Schulklima und auf die Esskultur Jungendlicher auswirken.

Im Rahmen des Projekts „Gender- und Nachhaltigkeitsaspekte in der Schulverpflegung“, wurden in Österreich erstmals Daten zur Esskultur an Schulen erhoben. Es zeigte sich, dass geschlechtsstereotype Muster wie „Burschen brauchen täglich ihr Fleisch und Mädchen ihren Salatteller“, sich im Verpflegungsangebot an Schulen widerspiegeln. So kommt an Schulen mit überwiegendem Mädchenanteil mittags mehr Gemüse - und in Schulen mit vorwiegend Jungen vermehrt Fleisch auf den Tisch. Oftmals überwiegt an Schulen der „Männergeschmack“, weshalb Mädchen dort seltener ein für sie ansprechendes Angebot finden.

Zukunftswünsche für die Schulverpflegung
Das zukünftige Ziel für Schulen sollte die Gestaltung eines gesunden Verpflegungsangebotes sein, welches für Mädchen wie auch Jungen gleichermassen ansprechend ist und die Voraussetzung zur Befriedigung persönlicher Ernährungsbedürfnisse schafft. Anregungen und Tipps dazu bietet der Leitfaden von Kaiblinger K, et al. (2009) „Esskultur an Schulen – nachhaltig und gendergerecht gestalten“. Er zeigt zudem die Wichtigkeit auf, sich von stereotypen Mustern und Klischees zu lösen und Schülerinnen und Schüler nicht als „weiblich“ o-der „männlich“ - sondern in ihrer Individualität und Vielfalt wahrzunehmen. Vielleicht können Verpflegungsverantwortliche damit zukünftig auch dem Anteil der Schüler gerecht werden, welche bei der erwähnten Studie den ausgeprägten Wunsch nach mehr Frische, Salatauswahl und besserer Fettqualität hegten!

Autor: Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE

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