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Adieu BMI?

21.04.2010

Eine Messgrösse zur Beurteilung der Körperfülle soll das damit verbundene Risiko für Erkrankungen möglichst präzise wiedergeben. Dazu sei das Verhältnis von Bauchumfang zu Körpergrösse (waist to height ratio, WHtR) wesentlich besser geeignet als der Body-Mass-Index, sagen Wissenschaftler der Universität München.

„Vergessen Sie den Body-Mass-Index!“ So oder ähnlich lautete der Aufruf in den Medien Anfang März. Der BMI tauge nicht, um das assoziierte Krankheitsrisiko einer Person zu bestimmen, oder sei zumindest viel weniger geeignet als bisher angenommen. Die weitaus besseren Messgrössen zur Erfassung und des mit der Statur assoziierten Risikos sei der Bauchumfang (waist circumference, WC) oder das Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang (waist to hip ratio, WHR) – und neuerdings auch das Verhältnis von Bauchumfang zu Körpergrösse (waist to height ratio, WHtR).

Dass der BMI seine Mängel hat, ist in der Fachwelt kein Geheimnis. Bei Kindern und Jugendlichen kann er nur indirekt angewendet werden, und bei älteren Personen darf er nicht allzu streng ausgelegt werden, denn ein kleines Pölsterchen im Alter schützt offenbar vor verschiedenen Krankheiten. Verschiedene Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass die tiefste Sterblichkeit vermutlich nicht mit dem durch den BMI gemessenen Normalgewicht einhergeht, sondern mit leichtem Übergewicht. Auch muskulöse Menschen beurteilt der BMI falsch, sie leben nämlich gesünder als Menschen mit Bauchfett – auch wenn beide Gruppen das gleiche Gewicht auf die Waage bringen und deshalb bei gleicher Grösse denselben BMI aufweisen.

Der amerikanische Wissenschaftler Ancel Keys, der den Begriff bereits 1972 wesentlich prägte, wollte damit offenbar nicht Individuen, sondern ganze Populationen beurteilen – seiner Einfachheit wegen verbreitete sich der BMI jedoch rasch und gilt auch in der Schweiz immer noch als aktuelle Referenzgösse.

Sowohl der Bauchumfang als auch das Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang haben einen wesentlichen Vorteil gegenüber dem BMI: Sie beachten das Bauchfett. Während der „Birnen-Typ“ sein Fett an Oberschenkel, Gesäss und Hüften trägt, hat der „Apfel-Typ“ einen dicken Bauch – und das ist ungünstig für die Gesundheit. Denn es ist vor allem das viszerale Bauchfett, das metabolisch aktiv ist und Hormone produziert, die Entzündungen hervorrufen und Ablagerungen in den Arterien bewirken (Arteriosklerose). Ob nun die Messung des Bauchumfangs oder das Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang für die Beurteilung des Krankheitsrisikos besser geeignet ist, ist nicht genau geklärt, denn die Studienlage ist widersprüchlich.

Anfang März erregte eine Studie von Wissenschaftlern der Universität München viel Aufsehen. Der BMI spiele keine Rolle für das Risiko, einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder einen Herzkreislauf-Tod zu erleiden, so die Hauptaussage der Studie. Dafür eigne sich die Messgrösse WHtR am besten. Die Forscher untersuchten zwei Studien mit insgesamt knapp 11’000 Probanden, die Studiendauer betrug drei bis acht Jahre. Bei jedem Studienteilnehmer wurde die Messgrössen WHtR, WC, WHR und BMI erfasst. Für jede Messgrösse wurden vier Grössenordnungen festgelegt.

Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass das sich Krankheits- und Todesrisiko am besten mit dem WHtR darstellen lässt. Der WC und der WHR waren weniger aussagekräftig, von der Verwendung des BMI raten die Autoren ab.

Ob sich der WHtR durchsetzen wird, ist von weiteren Studien abhängig, jedoch haben auch andere Studien gezeigt, dass Messgrössen, die das Bauchfett einbeziehen, eine bessere Risikovorhersage für Diabetes mellitus Typ 2 machen als der BMI. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE hält vorerst am BMI fest, denn er ist nach wie vor ein geeigne-tes Mass zur Beurteilung der Körperfülle. Jedoch rät sie zur Beurteilung des Krankheitsrisikos zur zusätzlichen Messung des Bauchumfangs. Wer sich regelmässig bewegt, sich nach den Regeln der Lebensmittelpyramide ernährt und sein Körpergewicht im Normalbereich des BMI und WC hält, hat bereits viel für seine Gesundheit getan.

Autor: Schweizerische Gesellschaft für Ernährung

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